Der aktuelle Sternenhimmel

Sternkarte Mitte Januar 2022 

 

Der Sternenhimmel Mitte Januar

Der Januar ist ein Monat mit langen Nächten und kurzen Tagen. Dass die Tageslänge verglichen mit dem Dezember schon wieder ein wenig zunimmt, fällt kaum auf, geht die Sonne doch immer noch gegen 17 Uhr unter und erscheint erst nach 8 Uhr am Morgen wieder über dem Horizont.

Nur in den allerersten Januartagen kann der Planet Venus direkt nach Sonnenuntergang noch am Dämmerungshimmel gesehen werden. Schon am 9. Januar steht die innere Erdnachbarin zwischen Sonne und Erde am Taghimmel. Ab Mitte des Monats wird sie schon wieder auf der anderen Seite der Sonne in der Morgendämmerung sichtbar. Etwa bis zum 10. Januar und damit einige Tage länger als die Venus ist am Abend der normalerweise schwer zu beobachtende sonnennächste Planet Merkur zu sehen. Und auch der Ringplanet Saturn gibt in der ersten Januarhälfte seine Abschiedsvorstellung. Alle drei Planeten sucht man am besten noch vor 18 Uhr ganz tief über dem südwestlichen Horizont.

Der Riesenplanet Jupiter ist dagegen noch bis nach 20 Uhr sichtbar und recht auffällig.

Nach dem Untergang der Planeten dominieren die prächtigen Sternbilder des Winterhimmels die Himmelsbühne. Die hellsten Sterne von Orion, Stier, Fuhrmann, Zwillingen, Kleinem und Großem Hund bilden das Wintersechseck, das sogar aus der Stadt leicht sichtbar ist. Findet man einen dunklen Standort weit weg vom Stadtlicht, kann man sogar das Band der Milchstraße erkennen, das sich mitten durch das Sechseck zieht. Es besteht aus dem kombinierten Licht von Milliarden Sternen, die unsere Augen nicht mehr in einzelne Objekte auflösen können. Der mit Abstand hellste Stern im Wintersechseck – und am gesamten Himmel – ist Sirius im Großen Hund. Er ist der 25mal leuchtkräftiger ist als unsere Sonne, und gehört mit einer Entfernung von knapp neun Lichtjahren zugleich zu den nächsten Sternen.

Wenn in diesem Jahr schon kein irdisches Feuerwerk möglich ist, so begrüßt immerhin ein himmlisches Lichterspiel das neue Jahr: Schon am 3. Januar ist der Sternschnuppenschauer der Quadrantiden aktiv. Die Sternschnuppen scheinen von einem Punkt im Sternbild Bärenhüter, nicht weit vom Großen Wagen, auszugehen. Bis zu hundert pro Stunde sind in der Theorie zu erwarten, auch wenn man unter realen Bedingungen wesentlich weniger sehen wird – und die beste Beobachtungzeit nach Mitternacht liegt. Von Mondlicht werden Sternschnuppen-Beobachter in diesem Jahr nicht gestört, denn am 2. Januar ist Neumond.


Highlight des Monats
Sternbild Zwillinge

Die mythische Figur der Zwillinge Castor und Pollux
Foto: Planetarium Bochum 

Am späten Abend stehen sie hoch am Himmel, und sie sind die ganze Nacht zu sehen: Die himmlischen Zwillinge, auch Gemini genannt, eines der bekannten und gut erkennbaren Sternbilder des Tierkreises. Auch wenn zwei Sternenketten die Figur bilden - besonders auffällig sind die beiden hellsten Sterne, Castor und Pollux.

Diese beiden stehen auch in der griechischen Mythologie für ein unzertrennliches Zwillingspaar. Castor und Pollux waren der Sage nach die Söhne der Leda, der Frau des spartanischen Königs Tyndareos. Aber nur Castor war der Sohn des Königs. Pollux‘ Vater  dagegen war der Göttervater Zeus, der Leda in der Gestalt eines Schwans verführt hatte. So war Pollux unsterblich, Castor dagegen nicht. Als Castor im Kampf starb, bat Pollux seinen göttlichen Vater, seine Unsterblichkeit mit seinem Bruder teilen zu dürfen. Zeus versetzte die Zwillinge daraufhin gemeinsam als Sternbild an den Himmel.

Soweit die Sage. In der Realität sind die Sterne Castor und Pollux am Himmel zwar benachbart, im Raum aber weit voreinander entfernt. Pollux, der etwas heller als sein Sternenbruder ist, ist ein 34 Lichtjahre von der Sonne entfernter Roter Riesenstern. Damit ist er sogar der nächste Stern dieser Art. Er ist fast zehnmal größer als die Sonne und mehr als dreißig Mal so leuchtkräftig.

Castor liegt dagegen in einer Entfernung von gut 50 Lichtjahren und ist ein sehr seltenes Sternsystem, das aus sechs einzelnen Sternen besteht. Dass Castor ein so komplexes Mehrfachsystem darstellt, ist erst seit einigen Jahrzehnten bekannt. Die sechs Sterne gruppieren sich in drei Sternpaare, die sich eng umkreisen, während sie ihren gemeinsamen Schwerpunkt auf stark elliptischen Bahnen umrunden. Die beiden hellsten Sterne haben etwa die doppelte Masse unserer Sonne und sind heißer, blauer und erheblich leuchtkräftiger als sie. Beide werden von je einem roten Zwergstern umkreist, der nur etwa eine halbe Sonnenmasse und weniger als 10% ihrer Leuchtkraft besitzt. Die dritte Sternpaar besteht aus zwei solchen roten Zwergen.

Ein kleines Fernrohr, wie es auf vielen Volkssternwarten zu finden ist, kann zumindest die beiden Hauptkomponenten schon trennen.

So erweisen sich die Himmelszwillinge als sehr unterschiedliche Sterne, die nicht einmal das gleiche Alter haben, das man eigentlich von Zwillingen erwartet. Pollux ist mit etwa 720 Millionen Jahren zwar immer noch viel jünger als unsere Sonne, aber fast viermal älter als das Castor-System.