Der September ist der Monat des Herbstanfangs: Am 23. September um exakt 2:05 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit überschreitet der Mittelpunkt der Sonnenscheibe den Himmelsäquator von Norden nach Süden. An diesem Datum sind die Tage und Nächte gleich lang und die Sonne geht genau im Westen unter und im Osten auf. Danach sind die Nächte wieder länger als die Tage. Zwischen dem ersten und dem letzten Tag des September wird die Nacht um fast zwei Stunden – oder ganz genau 113 Minuten – länger. Am 1. September geht die Sonne um 20:17 Uhr unter, am 30. September schon um 19:11 Uhr. Wie immer zur Zeit der Tat-und-Nachtgleichen ist der Unterschied in der Tageslänge im September besonders groß.
Es bleibt also wieder mehr Zeit für die Beobachtung des Sternenhimmels. Gegen 22:00 Uhr ist die Abenddämmerung vorbei. Im Süden und Westen erscheint der Himmel noch sommerlich. Die Sternbilder Leier, Schwan und Adler, die das große Sommerdreieck bilden, stehen hoch am Himmel, und nah am Horizont ist auch der Schütze noch sichtbar. Der bekannte Große Wagen, Teil des größeren Sternbilds große Bärin, findet sich noch recht hoch im Nordwesten.
Im Osten gehen die Sternbilder auf, die uns durch eine Herbstnacht begleiten. Das Sternenviereck des Pegasus, das manchmal auch „Herbstquadrat“ genannt wird, steht schon hoch im Südosten. Daran schließt sich die Andromeda an, und darunter findet man das Tierkreissternbild Fische. Oberhalb der Andromeda fällt die Kassiopeia, das markante „Himmels-W“, auf. Und im Nordosten ist auch der Perseus bereits über den Horizont geklettert.
Die Sternbilder des Herbstes sind durch eine Geschichte aus dem antiken Griechenland miteinander verknüpft. Danach war Andromeda die Tochter des Königs Kepheus und der eitlen Königin Kassiopeia, die den Meeresgott Poseidon herausforderte. Denn sie behauptete, dass sie schöner sei als die Nereiden, Nymphen des Meeres, die Begleiterinnen des Poseidon waren. Der zornige Gott sandte zur Strafe das Seeungeheuer Cetus aus. Um ihr Land zu retten, beschloss das Königspaar, ihre Tochter Andromeda zu opfern. Erst der Held Perseus konnte die an einen Felsen gefesselte Prinzessin retten und das Monster unschädlich machen. Neben der Andromeda, der Kassiopeia und dem Perseus finden sich auch der Kepheus, die Fische und das Seemonster Cetus als Sternbilder am Himmel.
Der Ringplanet Saturn ist als einziger Planet beinahe die ganze Nacht zu sehen. Mitte September geht der Saturn gegen 20:30 Uhr auf. Anfang Oktober steht er dann in „Opposition“ zur Sonne. Das heißt aber nicht, dass er etwas gegen die Sonne hätte – „Opposition“ bedeutet für Astronomen, dass der Saturn dann der Sonne von der Erde aus gesehen genau gegenübersteht. Er geht also auf, wenn die Sonne untergeht, und verschwindet mit Sonnenaufgang wieder unter dem Horizont.
Der Saturn ist, ähnlich wie der etwas größere Jupiter, ein Gasriese, ein Planet ohne feste Oberfläche. Er hat etwa den neunfachen Durchmesser der Erde und ist rund zehnmal weiter von der Sonne entfernt. Schon ein kleines Fernrohr zeigt die berühmten Ringe des Saturn. Bereits Galileo Galilei fand vor mehr als 400 Jahren Hinweise auf die Ringe, deutete sie aber als “Henkel“. Knapp 50 Jahre später identifizierte der Niederländer Christiaan Huygens mit einem besseren Teleskop das Ringsystem richtig. Heute wissen wir, dass die Ringe aus unzähligen Eisbrocken bestehen, deren Größe von der eines Staubkorns bis zu der eines Hauses reicht.
Ein Blick aus eine Sternkarte lässt vermuten, dass der Saturn in den Fischen zu finden ist. Die Planeten stehen ja wie die Sonne und der Mond in aller Regel in den Sternbildern des Tierkreises, die ein Band am Himmel bilden, das die Staubscheibe nachzeichnet, in der alle Planeten sich vor etwa 4,5 Milliarden Jahren gebildet haben.
Ein genauerer Blick zeigt aber, dass der Saturn ab dem 5. September seine langsame Bahn im nördlichsten Teil des Cetus zieht. Bis zum 23. Februar des nächsten Jahres wird er in diesem Sternbild bleiben, allerdings immer im Grenzgebiet zu den Fischen. Der Saturn steht in diesen Monaten etwas südlich der scheinbaren Bahn der Sonne am Himmel, die durch die Fische läuft. Die Sternbildgrenzen wurden erst 1930 von der internationalen Gemeinschaft der Astronomen fest definiert, Die Möglichkeit, dass ein Planet auch einmal knapp außerhalb der klassischen Tierkreissternbilder zu finden sein kann, wurde dabei nicht ausgeschlossen – und so verhält es sich im Moment mit dem Saturn.
Wenn der Saturn um kurz vor drei Uhr Mitte September seine höchste Stellung im Süden erreicht, steht ein weiterer Planet im Osten immerhin schon knapp 15° über dem Horizont. Das ist der rötliche Mars, der seine Bahn im Sternbild Zwillinge zieht. Der Himmelanblick hat sich auch insgesamt stark verändert: Stier, Fuhrmann und der einprägsame Himmeljäger Orion, also Sternbilder, die uns wie die Zwillinge durch eine Winternacht begleiten, sind schon über den Horizont geklettert. Der Große Wagen steht dagegen nur knapp über dem Horizont im Norden.
Der Mars ist im Moment noch nicht viel heller als die beiden hellsten Sterne der Zwillinge, Castor und Pollux, ist aber durch seine Farbe bereits gut zu finden. Erst im Februar wird der äußere Nachbarplanet der Erde seine Oppositionsstellung erreichen und die ganze Nacht sichtbar sein.
Erst gegen 4 Uhr steigt der Jupiter im Sternbild Krebs über den östlichen Horizont. Er ist zwar deutlich heller als der Saturn oder der Mars, und ein auffälliges Objekt am Himmel, aber schon etwa zwei Stunden nach seinem Aufgang beginnt die Morgendämmerung.