Im Mai beginnt die Zeit der kurzen Nächte: Steht die Sonne Anfang des Monats in Bochum noch gut 9 Stunden unter dem Horizont, sind es Ende des Monats nur noch weniger als 8 Stunden. Mitte des Monats geht die Sonne gegen 5:30 MESZ auf und erst gegen 21:15 Uhr unter. Ab dem 23. Mai wird es – wenn man es sehr genau nimmt – gar nicht mehr richtig dunkel. Dann steht die Sonne selbst an ihrem tiefsten Punkt weniger als 18 Grad unter dem Horizont. Aufmerksame Beobachter können im Norden noch eine Aufhellung wahrnehmen, die die Beobachtung der Sterne stört. Sie sprechen von „Weißen Nächten“, die natürlich weiter im Norden viel ausgeprägter sind. Im Ruhrgebiet mit seinem immer von künstlichem Licht aufgehelltem Himmel bemerkt man nur wenig davon.
Noch in der Dämmerung wird als erstes Himmelsobjekt im Westen die Venus sichtbar. Unser sonnennäherer Nachbarplanet geht erst kurz nach Mitternacht (MESZ) unter. Sie steht im Grenzgebiet der Sternbilder Steir und Zwillinge und damit besonders nördlich im Tierkreis. Schon ab etwa 22:00 Uhr, wenn die Sonne 6° unter dem Horizont steht und die „bürgerliche Dämmerung“ endet, kann man die Venus, die dann mehr gut 15° über dem Horizont steht, am noch hellen Himmel suchen. Eine Stunde später ist die dann gut 7° über dem Horizont stehen den Venus nicht mehr zu übersehen.
Das Planetenscheibchen ist noch zu 84% beleuchtet und 12“ groß. Im Verlauf der nächsten Monaten wird es größer, wird aber von uns aus gesehen immer weniger von der Sonne beleuchtet. Am 18. Mai steht die schmale, nur zu 6% beleuchtete Sichel des zunehmenden Mondes in der Nähe der Venus.
Am 20. Mai hat der dann schon zu 22% beleuchtete Mond am Himmel die Nähe des Planeten Jupiter erreicht. Der größte der Planeten steht in den Zwillingen und geht um kurz nach 1:00 Uhr unter. Für immerhin zwei Stunden ist der helle Riesenplanet im Westen noch gut sichtbar. Langsam kündigt sich aber das Ende seiner Sichtbarkeit an.
Gegen 23 Uhr ist es – ungeachtet der Weißen Nächte am Monatsende - dunkel genug, um bei vielleicht schon milden Temperaturen den Sternenhimmel des Frühjahres zu genießen.
Der Große Wagen, der Rücken und Schwanz des viel größeren, aber viel weniger leicht erkennbaren Sternbilds Große Bärin bildet, steht an einem Maiabend sehr hoch am Himmel. Zwischen dem Großen Wagen und dem Kleinen Wagen, an deren Deichselspitze der Polarstern liegt, liegt der Schwanz des Sternbilds Drache, dessen Kopf schon auf das Sommersternbild Herkules weist.
Rutscht man die Deichsel des Großen Wagens herunter, gelangt man in einem Bogen zu einem sehr auffälligen, rötlichen Stern. Das ist der Arktur, der hellste Stern im Bärenhüter und zugleich auf der Nordhalbkugel des Himmels. Er gehört zum Frühjahrsdreieck. Die anderen Sterne dieser Figur sind die hellsten der Tierkreissternbilder Löwe und Jungfrau. Unterhalb der Jungfrau ist auch das kleine Sternbild Rabe gut zu sehen. Diese Sternbilder dominieren an einem Abend im Mai die südliche Himmelbühne.
Im Osten gehen bereits die Sternbilder auf, die im Sommer die gesamte Nacht zu sehen sind. Dazu zählt der als Heldenfigur allerdings schwer erkennbare Herkules. Aber auch der viel einprägsamere Schwan steht am späten Abend mit etwa 20 Grad schon gut sichtbar über dem östlichen Horizont, Vega in der Leier ist auf eine Höhe über 30° geklettert, und auch der Adler erscheint bereits über dem Horizont.
Am Morgenhimmel, schon bei Beginn der Morgendämmerung, kann man gegen Monatsende mit etwas Glück einen weiteren Planeten sehen. Um kurz vor 4 Uhr steigt der Saturn im Sternbild Fische über den Horizont. Der Ringplanet ist noch nicht sehr auffällig, auch weil er gegen 5 Uhr erst gut 10° hoch im Osten steht. Zudem ist er recht leuchtschwach. Die
Sichtbarkeitsbedingungen des Saturn werden sich über die nächsten Monate hinweg stetig verbessern, da er immer früher aufgeht und damit einen größeren Teil der Nacht sichtbar sein und auch höher am Himmel stehen wird.
Der Mars klettert dagegen erst eine halbe Stunde nach dem Saturn über den Horizont, nur eine Stunde vor Sonnenaufgang. Damit kann er sich gegen den heller werdenden Morgenhimmel noch nicht durchsetzen – erst in den kommenden Monaten wird er für das bloße Auge sichtbar.