Der aktuelle Sternenhimmel

Sternkarte Juli 2021

Der Sternenhimmel Mitte Juli

Der Hochsommermonat Juli ist wie der Juni noch durch helle und kurze Nächte geprägt. Erst ab dem 20. Juli wird es in Bochum wieder vollständig dunkel – die Sonne steht dann wieder mehr als 18° unter dem Horizont und es ist keine Aufhellung in Richtung Norden mehr zu erkennen.

Gegen 23:00 Uhr MESZ ist die Dämmerung weit fortgeschritten. Man kann jetzt die Sterne und Sternbilder des Sommers erkennen. Das auffällige Sommerdreieck steht dann schon beinahe im Süden. Es besteht aus den hellsten Sternen von drei Sternbildern: Deneb markiert den Schwanz des Sternbilds Schwan, das manchmal auch „Kreuz des Nordens“ genannt wird, denn die Figur erinnert nicht nur an einen Schwan mit langem Hals und weit ausgebreiteten Flügeln, sondern auch an ein großes Kreuz. Deneb ist ein sehr besonderer Stern: Er ist etwa 200.000-mal so leuchtkräftig wie unsere Sonne und mehr als 2.000 Lichtjahre von uns entfernt. Vega, der hellste Stern des kleinen Sternbilds Leier, übertrifft die die Leuchtkraft der Sonne bei einer Entfernung von 25 Lichtjahren dagegen „nur“ um das 40-fache. Atair, der Hauptstern des Adlers, hat die gut 10-fache Sonnenleuchtkraft und ist mit einer Entfernung von 16 Lichtjahren ein naher Stern.

Das Band der Milchstraße zieht sich durch den Schwan nach Süden. In den Tierkreissternbildern Skorpion und vor allem Schütze werden die Sternenwolken der Milchstraße heller und das Band dicker. Allerdings stehen diese beiden Sternbilder in Bochum immer nur sehr flach über dem Horizont. Der auffälligste Teil des Schützen, oft als „Teekanne“ bezeichnet und auf unserer Sternkarte eingezeichnet, ist gegen Mitternacht am besten zu sehen. Ebenfalls im Schützen liegt das Zentrum unserer Milchstraße. Allerdings ist es von dichten Staubwolken verborgen, so dass von dem vier Millionen Sonnenmassen schweren Schwarzen Loch, das dort lauert, aber in 25.000 Lichtjahren Entfernung von uns völlig ungefährlich ist, nur mit Spezialteleskopen etwas zu erkennen ist.

Die Venus, der innere Nachbarplanet der Erde, ist am Abendhimmel zu sehen, geht allerdings Mitte Juli schon um kurz nach 23 Uhr unter. Daher ist sie nur in der Dämmerung über dem Horizont und trotz ihrer großen Helligkeit nicht sehr auffällig. Wenn die Venus im Westen untergeht, erscheinen die beiden Riesenplaneten Saturn und Jupiter im Osten über dem Horizont. Der Saturn steht im Sternbild Steinbock, und der hellere Jupiter ist im Wassermann zu finden. Beide sind vor allem in der zweiten Nachthälfte recht auffällig.

Highlight des Monats
Leuchtende Nachtwolken: Sommerliche Beobachtungsobjekte

Leuchtende Nachtwolken im Jahr 2019 über der Ruhr-UNiversität Bochum.
Foto: Daniel Fischer / Planetarium Bochum 

Im Sommer wird die Beobachtung des Sternenhimmels durch kurze Nächste erschwert – aber glücklicherweise gibt es ein Phänomen, dass sich nur im Sommer, am besten im Juli, am Himmel zeigt. Das sind die leuchtenden Nachtwolken, die sich weit nach Sonnenuntergang – oder deutlich vor Sonnenaufgang – in Richtung Norden zeigen können. Leuchtende Nachtwolken sind die bei weitem höchsten Wolken in der Erdatmosphäre. Sie entstehen in einer Höhe von mehr als 80 Kilometern und liegen daher schon an der Grenze zum Weltraum, der definitionsgemäß bei 100 Kilometern beginnt.

Die Wolken werden wegen ihrer großen Höhe auch dann noch von der Sonne beleuchtet, wenn es bei uns längst fast ganz dunkel geworden ist. Sie bestehen aus Eiskristallen, die sich bei extrem niedrigen Temperaturen um die -120 °C nur im Sommer in den oberen Schichten der Atmosphäre, Mesosphäre genannt, bilden. Die meist weißen oder bläulichen Wolken haben oft eine charakteristische faserige Form und können in parallelen, wellenförmigen Bändern angeordnet sein. Manchmal steigen sie hoch über den Nordhorizont und bieten ein spektakuläres Schauspiel.

Erstaunlich ist, dass die ersten Sichtungen leuchtenden Nachtwolken erst aus dem Jahr 1885 überliefert sind. Damals wurden sie mit dem Ausbruch des Vulkans Krakatau und seiner Aschewolke in Verbindung gebracht. Aber die Wolken verschwanden nicht, sondern scheinen im Gegenteil zunehmend oft gesehen zu werden. Warum das so ist, ist nicht vollständig geklärt. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass die menschengemachten Veränderungen der Struktur der Atmosphäre, insbesondere steigende Methan-Emissionen, mit der größeren Häufigkeit leuchtender Nachtwolken zusammenhängen.