Mitte Juli ist zwar schon fast ein Monat seit der Sommersonnenwende vergangen, die Nächte sind aber immer noch recht kurz. Die Sonne geht gegen 5:30 Uhr auf und erst gegen 21:40 Uhr wieder unter, steht also nur knapp 8 Stunden unter dem Bochumer Horizont. Ab der Nacht vom 20. auf den 21. Juli wird es aber wieder vollständig dunkel: Dann steht die Sonne mitten in der Nacht mehr als 18 Grad unter dem Horizont und auch für anspruchsvolle Astronomen ist im Norden kein Rest der Dämmerung mehr zu sehen. Insgesamt wird die Nacht im Laufe des Juli um immerhin eine Stunde und 6 Minuten länger, was durchaus schon merklich ist.
Das erste Objekt, das noch in der Dämmerung am Abendhimmel am Himmel sichtbar, ist der Planet Venus, der als noch gut sichtbarer Abendstern am Himmel steht. Die Venus verschwindet Mitte Juli allerdings schon gegen 23:30 Uhr unter dem Horizont, ist aber der einzige überhaupt am Abendhimmel sichtbare Planet. Ein Stunde vor ihrem Untergang steht sie immerhin noch 8° über dem Horizont. Da sie der Sonne näher ist als die Erde, hat die Venus „Phasen“: Für uns erscheinen unterschiedlich große Teile des Planetenscheibchens von der Sonne beleuchtet. Ein Teleskop zeigt, dass das 18´´ messende Scheibchen Mitte Juli von der Erde gesehen zu gut 60% im Sonnenlicht liegt.
Zumindest in der ersten Julihälfte lohnt es sich noch, in Richtung Norden nach Leuchtenden Nachtwolken Ausschau zu halten, die nach Sonnenuntergang oder auch vor Sonnenaufgang auftauchen können. Diese Wolken aus Eiskristallen sind mit einer Höhe von 80 bis 85 Kilometern die bei weitem höchsten der Erdatmosphäre. Sie liegen noch im Sonnenlicht, wenn die Sonne für uns schon zwischen 6° und 16° unter dem Horizont steht und fallen oft durch eine faserige Struktur oder ein Wellenmuster auf.
In einer warmen, klaren Julinacht kann die Sternenbeobachtung gegen 23 Uhr beginnen. Dann steht der Große Wagen, der berühmte Himmelswegweiser, der Teil des größeren Sternbilds Große Bärin ist, hoch im Nordwesten. Verlängert man den Abstand seiner äußeren Kastensterne fünfmal, findet man den Polarstern, die Schwanzspitze des Kleinen Bären. Verfolgt man dagegen den Schwanz der Großen Bärin weiter, stößt man auf den hellen rötlichen Stern Arktur im Bärenhüter. An den Bärenhüter schließen sich in östlicher Richtung die nördliche Krone und das großflächige, aber nicht sehr auffällige Sternbild Herkules an.
Dominiert wird der sommerliche Himmel vom großen Sommerdreieck, sogar bei einem durch Stadtlicht aufgehellten Himmel. Es besteht aus den hellsten Sternen der Sternbilder Leier, Adler und Schwan. Von einem dunklen Standort ist sogar das Band der Milchstraße zu erkennen, die sich durch den Schwan und den Adler nach Süden zieht.
Nahe des Horizonts verläuft die Milchstraße durch die Tierkreissternbilder Schütze und Skorpion, die aus Bochum nie ganz sichtbar werden. Hinter dichten Staub- und Gaswolken verbirgt sich im Schützen das Zentrum der Milchstraße, ein Schwarzes Loch, mehr als 4 Millionen Mal schwerer als unsere Sonne.
Erst nach Mitternacht geht mit dem Saturn ein weiterer Planet auf. Der Ringplanet, der etwa zehnmal weiter von der Sonne entfernt ist als die Erde, wandert sehr langsam durch das Sternbild Fische und ist so hell wie die hellsten Sterne. Erst am 4 Oktober wird er von der Erde aus gesehen der Sonne genau gegenüberstehen und die gesamte Nacht zu sehen sein.
Tief im Osten taucht im Juli auch der rötliche Mars am Morgenhimmel auf. Mitte Juli klettert er gegen 2:30 Uhr im Sternbild Stier über den Horizont. Um 4 Uhr, vor Beginn der Morgendämmerung, steht er immerhin gut 10° hoch, ist allerdings im Moment noch weniger hell als der ebenfalls rötliche Aldebaran, der hellste Stern im Stier.