
Wenn man im April etwa zwischen 22:00 Uhr und 2:00 Uhr von Bochum aus zum Himmel blickt, sieht man tief im Süden nicht allzu viele helle Sterne. Daher bemerkt man meist nicht, dass nun die beste Zeit ist, das größte Sternbild am gesamten Himmel ganz zu sehen: Das ist die Wasserschlange oder – mit ihrer offiziellen lateinischen Bezeichnung – die Hydra.
Sie erstreckt sich über rund 1300 Quadratgrad und nimmt damit mehr als drei Prozent der gesamten Himmelskugel ein. Mit einer Länge von über 100° ist sie auch das längste aller Sternbilder. Ihr Kopf befindet sich südlich von Krebs und Löwe, der lange Körper schlängelt sich unterhalb von Jungfrau, Becher und Rabe entlang, und der Schwanz endet schließlich in der Nähe von Waage und Zentaur. Der Becher und der recht leicht erkennbare, kleine Rabe scheinen auf ihrem Rücken zu reiten. Der größte Teil des Sternbilds liegt südlich des Himmelsäquators. Nur der Kopf, ganz im Westen, ragt ein wenig über auf die Nordhalbkugel des Himmels.
Die Hydra gehört zu den 48 klassischen Sternbildern, die schon Claudius Ptolomäus im zweiten Jahrhundert nach Christus beschrieb. Eine der Sagen, die aus der Antika zu diesem Sternbild überliefert sind, identifiziert die Hydra mit einer vielköpfigen Schlange, die in den Sümpfen von Lerna hauste, aber gelegentlich an Land kam, ganze Viehherden erbeutete und die Felder verwüstete. Eine der Aufgaben des Helden Herkules war es, die Schlange zu besiegen, was sich aber als schwierig erwies, denn immer, wenn der Held einen Kopf abgeschlagen hatte, wuchsen zwei neue nach. Der Erfolg stellte sich erst ein, als der Neffe des Herkules, Iolaos, ihm mit Feuer zur Hilfe kam.
Das Sternbild Hydra ist trotz seiner Größe arm an hellen Sterne. Darauf könnte schon der arabische Name für den Kopf der Wasserschlange hindeuten: „Min al Az'al“ bedeutet „zum unbewohnten Ort gehörend“.
Der hellste Stern in der Hydra und der Einzige, der einen klassischen, wieder arabischen, Namen hat, ist immerhin auch unter aufgehelltem Stadthimmel mit dem bloßen Auge sichtbar. Er heißt Alphard, was auf das arabische „Soheil al Fard“ zurückgeht und sich als „der helle Einzelne“ übersetzen lässt. Dieser Name weist wieder darauf hin, dass keine weiteren hellen Sterne in seiner Nähe sind.
Alphard sitzt im vorderen Teil der Hydra nicht weit vom Kopf entfernt. Er ist etwa 180 Lichtjahre entfernt, hat etwa die dreifache Masse und die etwa 500-fache Leuchtkraft der Sonne. Seine Entwicklung ist fortgeschritten: Wahrscheinlich läuft in seinem Kern nicht mehr die Fusion von Wasserstoff zu Helium ab, wie in der Sonne, sondern aus dem Helium wird Kohlenstoff erzeugt. Die Sonne wird dieses Stadium erst in 5 bis 6 Milliarden Jahren erreichen. Beim schwereren Alphard war es schon 500 Millionen Jahre nach seiner Entstehung so weit.