Im Mai lässt sich ein Sternbild gut beobachten, das im Prinzip das gesamte Jahr über zu sehen ist und nie unter dem Horizont verschwindet: der Drache. Der Schwanz des langgestreckten Sternbilds schlängelt sich zwischen dem Großen und dem Kleinen Wagen (oder Bären) hindurch und ist daher im Frühjahr, wenn der Große Wagen sehr hoch steht, gut zu finden. Der Kopf liegt nördlich des Sommersternbilds Herkules.
Der Drache oder lateinisch und mit offiziellem Namen Draco wird in der antiken Mythologie mit unterschiedlichen Himmelsdrachen in Verbindung gebracht.
Eine der Sagen erzählt von dem Drachen Ladon, einem riesigen schlangenartigen Geschöpf mit vielen Köpfen, der die goldenen Äpfel im Garten der Hesperiden bewachte. Diese Äpfel galten als kostbarer Besitz der Götter, insbesondere der Hera. Der Held Herkules musste diese Äpfel als eine seiner berühmten Aufgaben stehlen und tötete dabei das Ungeheuer mit einem Giftpfeil. Die Göttin Hera versetzte ihn daraufhin an den Himmel, mit dem Kopf in der Nähe des Sternbilds Herkules.
In einer ganz anderen Geschichte ist der Drache einer der Giganten, mächtige Wesen, die sich gegen die olympischen Götter erhoben. Die Giganten versuchten, den Olymp zu stürmen. Der drachenartige Gigant Typhon soll sich der Göttin Athene entgegengestellt haben, die ihn am Schwanz packte und an den Himmel schleuderte. Dort wurde er als Sternbild Draco sichtbar.
Der Drache hat keine sehr hellen Sterne, insbesondere sein Kopf aus vier Sternen ist aber auffällig. Dazu gehört auch der hellste Stern des Sternbilds, der den Eigennamen „Eltanin“ trägt. Der aus dem arabischen stammenden Name bedeutet passenderweise „der Drache“. Der orangefarbene Stern ist etwa 150 Lichtjahre entfernt mit der doppelten Masse der Sonne hat sich bereits auf den 50-fachen Sonnenradius aufgebläht und fast 600mal so leuchtkräftig wie sie.
Der Stern Thuban, der im Schwanz des Drachen genau zwischen Kleinem und Großem Wagen liegt, ist zwar weniger hell, spielte aber vor einigen Tausend Jahren eine ganz besondere Rolle: Von etwa 3900 bis 1800 vor Christus, war er der Stern, der dem nördlichen Himmelnordpol am nächsten war. Seine größte Nähe zum Pol erreichte er um das Jahr 2830 vor Christus, als es weniger als 10 Bogenminuten – ein Sechstel Grad – entfernt war. Damit stand er dem Himmelspol näher als der Polarstern heute. Ob unsere fernen Vorfahren Thuban, dessen ebenfalls aus dem arabischen kommender heutiger Name, der eine große Schlange bezeichnet, vor vielen tausend Jahren „Polarstern“ nannten?