Wer im Juni zum Abendhimmel schaut, wird im Westen noch in der Dämmerung sofort einen hellen und auffälligen Lichtpunkt sehen. Das ist die Venus, die im Moment als leuchtender Abend“stern“ den abendlichen Himmelsanblick im Westen dominiert. Wenn man aber nur etwas genauer hinschaut, bemerkt man einen weiteren sehr hellen Lichtpunkt in der Nähe der Venus. Das ist der Jupiter, der größte aller Planeten. Angang Juni stehen beide im Sternbild der Zwillinge.
Die Venus ist der Sonne näher als die Erde und umläuft sie daher schneller, einmal in 225 Tagen. Der Jupiter ist viel weiter draußen in Sonnensystem zu finden, im gut 5-fachen Abstand der Erde von der Sonne. Er benötigt knapp 12 Jahre für einen Umlauf.
An unserem Himmel bewegt sich die Venus folglich viel schneller durch die Sternbilder als der Jupiter. Diesen Effekt kann man im Juni sehr gut beobachten. Anfang des Monats steht die Venus noch tiefer als der Jupiter und ist etwa 8° von ihm entfernt. Am 9. Juni zieht sie nur 1.9° Grad nördlich am Jupiter vorbei – ein lohnender und auffälliger Anblick! Am Tag dieser „Konjunktion“ genannten engsten Begegnung gehen Venus und Jupiter erst nach Mitternacht, gegen 0:20 MESZ, unter.
Danach steht die Venus oberhalb des Jupiter und entfernt sich vom ihm. Am 17. Juni steht die zunehmende, nur zu 10% beleuchtete Mondsichel zwischen den beiden Planeten. Bis Ende Juni ist der Abstand von Venus und Jupiter schon auf fast 20° Grad gewachsen. Der Jupiter, der nun auf seiner Bahn am Himmel den Grenzbereich der Sternbilder Zwillinge und Krebs erreicht hat, geht dann schon um 23:00 Uhr unter, nur 70 Minuten nach der Sonne. Er ist am Himmel kaum noch zu finden – seine Abendsichtbarkeit ist vorbei.
Die Venus dagegen hat den Krebs schon hinter sich gelassen und das Sternbild Löwe erreicht. Sie geht genau um Mitternacht unter und ist noch sehr gut zu sehen.
Ihren größten östlichen Winkelabstand von der Sonne erreicht die Venus mit fast 46° erst am 15. August. Dann ist sie zwar noch etwas heller als im Juni, aber nicht besser sichtbar – ganz im Gegenteil. Sie geht dann nämlich bereit um 22:00 Uhr unter, nur wenig mehr als eine Stunde später als die Sonne. Das liegt vor allem daran, dass sie nun im Sternbild Jungfrau steht, deutlich südlicher als im Juni.
Im Teleskop erscheint das Venusscheibchen Mitte August genau zur Hälfte beleuchtet. Im Juni ist es noch zu etwa 75% beleuchtet und kleiner, da die Venus dann noch weiter von der Erde entfernt ist. Beim Jupiter blicken wir von der Erde aus dagegen immer auf die komplett von der Sonne beleuchtete Seite.
Obwohl die Venus viel kleiner als der Jupiter ist und ihr Scheibchen für uns nicht ganz im Sonnenlicht liegt, ist die Venus am irdischen Himmel immer heller als der Jupiter. Während die Venus 95% des Erdradius misst und eine feste, wenn auch mit ca. 460 °C sehr heiße, Oberfläche hat, ist der Jupiter mehr als 11-mal so groß und ein Gasriese ohne feste Oberfläche. Aber die Venus ist der Sonne sieben Mal näher als der Jupiter. Daher erreicht die Venus pro Flächeneinheit verglichen mit dem Jupiter etwa fünfzig Mal mehr Sonnenlicht. Zusätzlich reflektieren die schwefelsäurehaltigen Venuswolken das Sonnenlicht besonders gut.
Bei der Beobachtung der Begegnung der beiden so unterschiedlichen hellen Planeten kann man in diesem Juni die Dynamik unseres Sonnensystems besonders direkt erleben.