Am 20. März um 15:46 Uhr beginnt – astronomisch gesehen – der Frühling. Wie bereits erwähnt bedeutet das, dass der Mittelpunkt der Sonne dann den Himmelsäquator von Süden nach Norden überquert. Wir sagen, dass die Sonne im „Frühlingspunkt“ steht, dem Schnittpunkt zischen der Bahn der Sonne durch die Sternbilder des Tierkreises und dem Himmelsäquator. Dieser Punkt liegt im Sternbild der Fische.
Es ist allgemein bekannt, dass der Frühlingsanfang immer in etwa am gleichen Datum stattfindet. Aber was heißt „in etwa“ – und woher kommen die Variationen? Dem gehen wir im Folgenden ein wenig genauer auf den Grund.
Schauen wir uns erst einmal die letzten und die kommenden Jahre an: In allen Jahren war der Tag des Frühlingsanfangs der 20. März. Die Uhrzeiten variieren aber deutlich: 2024 fand die Überquerung des Himmelsäquators um 4:07 Uhr statt, 2025 um 10:02 Uhr, in diesem Jahr um 15:46 Uhr, 2027 wird es um 21:24 Uhr so weit sein, und 2028 springt die Uhrzeit zurück auf den frühen Morgen, auf 3:16 Uhr. Man kann hier eine Regelmäßigung erkennen und auch leicht einsehen, warum es sie gibt: 2024 und 2028 sind Schaltjahre!
Die Zeit zwischen einem Frühlingsanfang und dem nächsten beträgt nicht genau 365 Tage, sondern 365,242 Tage oder 365 Tage, 5 Stunden 48 Minuten. Um (etwa) diese knapp 6 Stunden verspätet sich also der Frühlingsanfang von Jahr zu Jahr. Um zu verhindern, dass er in einigen Jahrzehnten in den April und irgendwann in den Mai oder Juni fällt, gibt es alle 4 Jahre ein Schaltjahr, das diesen Effekt dank eines zusätzlichen Tages, dem 29. Februar, gut korrigiert.
Aber wie machen sich die 12 Minuten in jedem Jahr bemerkbar, um die die wirkliche Veränderung von der Korrektur abweicht? Die Korrektur – also der „Sprung zurück“ - ist etwas zu groß. Dieser Effekt ist zwar klein, aber er summiert sich über längere Zeiträume auf: Im 20. Jahrhundert fiel der Frühlingsanfang manchmal auf den 21. März. Zum letzten Mal war das 2011 der Fall.
Um diese langsame Drift zu früheren Daten zu korrigieren, wird in unserem 1582 eingeführten „gregorianischen“ Kalender zur Jahrhundertwende das Schaltjahr weggelassen: das Jahr 2100 wird kein Schaltjahr sein! Der Spung zurück fällt dann also aus – und das gleicht die etwas zu großen Sprünge aus… fast. Um noch astronomisch richtiger zu sein, sind durch 400 teilbare Jahre doch Schaltjahre, etwa das Jahr 2000.
Dieser Kalender geht auf Papst Gregor XIII. zurück, der mit der Ausarbeitung Astronomen und Mathematiker beauftragte. Diese arbeiteten sehr genau, denn die Abweichung von der exakten Jahreslänge beträgt mit allen Korrekturen erst nach 3.231 Jahren einen Tag.
Es gibt noch einen weiteren, ganz anders gearteten, langfristigen Effekt, der den Frühlingspunkt selbst durch die Sternbilder wandern lässt. In der Antike lag der Frühlingspunkt im Sternbild Widder. Durch die Präzession, das Taumeln der Erdachse, vergleichbar mit einem Kreisel, wandert dieser Punkt jedoch langsam durch die Tierkreissternbilder, mit einer Periode von knapp 26.000 Jahren einmal ganz herum.
Seit etwa 2.000 Jahren schon steht die Sonne zu Frühlingsanfang in den Fischen – und erst um das Jahr 2.600 herum wird sie in den Wassermann wechseln. Damit verschieben sich auch – ganz langsam – die Sternbilder, die wir im Frühjahr am Himmel sehen.
