Vortrag

Wie viel wiegt das Universum?

Inhalt

Wie viel wiegt das Universum?
Wie man dunkle Materie sichtbar macht und was das mit Kosmologie zu tun hat
Dr. Hendrik Hildebrandt, Argelander-Institut für Astronomie, Universität Bonn

Haben Sie sich schon einmal gefragt, wie viel das Universum wiegt? Ergibt diese Frage überhaupt Sinn? Gibt es dazu theoretische Vorhersagen, die sich mit astronomischen Beobachtungen überprüfen lassen?

Mit modernen Großteleskopen vermessen beobachtende Kosmologen den Himmel. Der Referent Hendrik Hildebrandt leitet in Bonn eine Forschungsgruppe, die sich dabei des sogenannten schwachen Gravitationslinseneffekts bedient. Anhand winziger Verzerrungen, die man in den Abbildungen von weit entfernten Galaxien feststellen kann, wird die mysteriöse dunkle Materie sichtbar gemacht. Daraus lässt sich die Gesamtmasse des Universums und deren Verteilung abschätzen. Diese Messungen, die in den letzten Jahren sehr viel genauer geworden sind, lassen sich mit Messungen des kosmischen Mikrowellenhintergrunds, der den Zustand des Universums kurz nach dem Urknall abbildet, vergleichen. Das äußerst erfolgreiche Standardmodell der Kosmologie macht direkte Aussagen darüber, wie diese beiden Beobachtungen zusammenhängen sollten.

Neueste Resultate zeigen eine interessante Diskrepanz zwischen diesen Methoden auf, die sich in den nächsten Jahren zu einem ernsthaften Problem für das kosmologische Standardmodell auswachsen könnte. Eine mögliche Lösung dieses Problems wäre der Abschied von Einsteins kosmologischer Konstante und der Einführung einer mysteriösen, sich zeitlich verändernden dunklen Energiekomponente.